Blutdruck

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Das steckt hinter dem Begriff Blutdruck

Mit dem Begriff Blutdruck werden die Druckverhältnisse beschrieben, wie sie im menschlichen Gefäßsystem vorherrschen. Innerhalb des so genannten kardiovaskulären Systems wird also durch die kontinuierliche Herztätigkeit ein bestimmter Druck an den Gefäßwänden der Arterien oder Venen erzeugt.

Medizinisch gesehen wird mit dem Begriff Blutdruck der arterielle Druck in den großen Arterien beschrieben. Ein normaler Blutdruck wird im menschlichen Gefäßsystem durch zahlreiche Regulationsmechanismen ständig neu justiert und den physiologischen Gegebenheiten im Organismus angepasst.

Deshalb gibt es in den großen Arterien Rezeptoren, die für die Blutdruckregulation zuständig sind. Der genaue Mechanismus der Regulation ist bis heute nicht vollständig bekannt. Ist ein zu hoher Blutdruck vorhanden, so sind diese Mechanismen zur Regulation dauerhaft gestört.

Die internationale gültige Abkürzung für den Blutdruck im medizinischen Sprachgebrauch lautet RR. Es war der italienische Arzt Scipione Riva-Rocci, der zwar nicht die Existenz des menschlichen Blutdrucks nachwies, er gilt jedoch als Erfinder der modernen apparativen Blutdruckmessung, weshalb sich die Abkürzung RR sowohl im deutschen als auch im internationalen Sprachgebrauch durchgesetzt hat.

Auch die englische Phrase Blood Pressure ist als internationaler Begriff für die Kennzeichnung des menschlichen Blutdruckes akzeptiert. Um alle Körperzellen fortwährend mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen, ist ein bestimmter Bauchblutdruck erforderlich, der nicht unterhalb eines bestimmten Wertes absinken darf.

Der Blutdruck in den unterschiedlichen menschlichen Gefäßabschnitten

Medizinisch ist das Blutdruck messen in den unterschiedlichen Gefäßabschnitten des menschlichen Organismus möglich. Denn klinisch gesehen ist nicht nur der arterielle Blutdruck relevant, welcher mittels der bekannten Messgeräte mit Oberarmmanschette oder Geräten für das Handgelenk gemessen wird.

Für den Hausgebrauch und zur Selbstmessung sind Blutdruckmessgeräte für das Handgelenk weit verbreitet. Die Messtechnik hat sich zudem in den letzten Jahren immer weiter verfeinert, sodass Blutdruckmessungen einfach, schnell und sicher auch von Laien vorgenommen werden können.

Durch die modernen Blutdruckmessgeräte kann der Blutdruck sehr einfach bestimmt werden. Es muss lediglich die Manschette circa zwei Zentimeter über der Ellbogenbeuge angebracht werden. Dannach wird das Gerät gestartet und die Manschette aufgepumpt.

Wenn die Luft wieder abgelassen wird, misst das Gerät die Geräuschkulisse die beim Rückfluss des Blutes durch den Arm entsteht. Daraus kann das Gerät ein seher genaues Ergebnis für den Blutdruck berechnen. Für den Alltag taugliche, hochwertige Geräte gibt es schon für 50 Euro.

So hat sich unter anderem bei Stiftung und Warentest (Testnote: gut) aber augenscheinlich auch bei vielen Anwendern das Gerät  Boso Medicus Family bewährt. Neben der sehr einfach handzuhabenden Bedienung des Geräts besticht es auch mit einem Speicher für zwei Personen um den Blutdruck über einen längeren Zeitraum im Auge zu haben.

 

Trotzdem gibt es immer noch zahlreiche Fehlermöglichkeiten bei der Blutdruckmessung, die jedoch durch eine richtige Einweisung durch den Arzt weitgehend minimiert werden können.

Bei bestimmten Krankheitsbildern ist der sogenannte Pulmonalarteriendruck von großer Bedeutung für die Prognose und Therapie. Die besonderen Druckverhältnisse in dieser Lungenarterie können mit speziellen Sonden intensivmedizinisch erfasst werden. Die Blutdruckmessung der Lungenarterie unterliegt deshalb nicht der Selbstmessung zu Hause.

Klinisch relevant sind ebenfalls der sogenannte Lebervenenverschlussdruck, der zentralvenöse Druck sowie der kapilläre Blutdruck in den Blutkapillaren als feinste Blutgefäße.

Im venösen Gefäßsystem herrschen ganz andere Druckverhältnisse vor, als in den Kapillaren. Wenn allgemein von der Blutdruckmessung die Rede ist, so ist immer die Messung der Druckverhältnisse im arteriellen System gemeint.

Systolischer und diastolischer Blutdruck

Noch im Mittelalter konnte der Blutdruck nicht wie heute auf unblutige Art und Weise ermittelt werden. Vielmehr war es notwendig, die Punktion eines Blutgefäßes vorzunehmen, um die Höhe des Blutdrucks an der Quecksilbersäule abzulesen. Die Angabe der Blutdruckwerte in Millimeter der Quecksilbersäule, mmHG, hat sich aufgrund dieser blutigen Messung bis heute als standardisierte Einheit durchgesetzt.

Eine blutige Messung der Blutdruckverhältnisse findet bei speziellen medizinischen Fragestellungen in der Intensivmedizin auch heute noch statt. Dabei geht es allerdings nicht um den arteriellen Blutdruck, sondern beispielsweise um Blutdruckmessungen in der Lungenarterie. Der arterielle Blutdruck wird heute ausschließlich unblutig gemessen.

Klinisch relevant sind bei dieser Messung zwei Werte, wobei sich um den so genannten systolischen und diastolischen Blutdruck handelt. Die Systole ist von beiden der höhere Wert und beschreibt während der Blutauswurfphase des Herzens den maximalen Druck. Die Diastole ist der niedrigere Wert und entsteht während der Herzfüllungsphase.

Die Blutdruckwerte können innerhalb des Tagesverlaufs erheblich schwanken. Allein schon evolutionsbiologisch bedingt sind die Blutdruckwerte auch hormonell beeinflussbar. Der Blutdruck ist also sehr eng an das so genannte vegetative, also unwillkürliche Nervensystem gekoppelt.

Hoher Blutdruck ist ein Erbe unserer Vorfahren

Bei einer Kampf- oder Fluchtreaktion kann der Blutdruck durch die plötzliche Ausschüttung von Adrenalin der Nebenniere sehr stark ansteigen. Diese sogenannten Blutdruckspitzen halten jedoch in der Regel nicht sehr lange an und können vom Gefäßsystem gut verkraftet werden.

Ist die Gefahr vorbei, sinkt auch der Blutdruck. In diesem komplizierten Mechanismus werden auch heute von den Blutdruckforschern maßgebliche Ursachen für die Entstehung von Bluthochdruck als weitverbreitete Zivilisationskrankheit gesehen.

Aus nicht bekannten Gründen kommt es durch die moderne Lebensweise zu einer Fehlregulation und somit zu einer dauerhaften und krankhaften Erhöhung des Blutdrucks.

Hoher Blutdruck, medizinisch auch als Hypertonie bezeichnet, ist in unserer modernen Zivilisationsgesellschaft ein weitverbreitetes Phänomen. Überernährung, Bewegungsmangel und Stress werden als maßgebliche Faktoren für die Entstehung der Hypertonie verantwortlich gemacht.

Alleine in Deutschland wird die Zahl der an Hypertonie leidenden Patienten auf mehrere Millionen geschätzt. Eine genaue Angabe ist auch durch Fachkreise nicht möglich, denn es gibt eine hohe Dunkelziffer. Dauerhafter hoher Blutdruck ist eine ernsthafte Gesundheitsgefahr und verantwortlich für eine Vielzahl von frühzeitigen Todesfällen.

Leider werden längst nicht alle Hypertoniker adäquat behandelt. Eine medikamentöse Therapie ist jedoch nicht immer erforderlich, denn oft kann zu hoher Blutdruck bereits durch geringfügige Änderungen des Lebensstils nachhaltig gesenkt werden.

Primäre und sekundäre Hypertonie

Um also einen Blutdruck natürlich senken zu können, ist in allererster Linie der Abbau von Übergewicht sowie das regelmäßige Ausüben einer Ausdauersportart erforderlich. Dadurch wird der Stresslevel des Körpers insgesamt gesenkt und damit auch der Blutdruck.

Mittlerweile wird sogar eine genetische Komponente für die Entstehung von Bluthochdruck diskutiert, denn es gibt nicht wenige Familien, in denen praktisch jeder bereits seit Generationen an Hypertonie leidet.

Leiden beide Elternteile an zu hohem Blutdruck, so ist es sehr wahrscheinlich, dass auch die Kinder im Laufe ihres Lebens davon betroffen sein werden.Medizinisch wird heute unterschieden zwischen so genannter primärer und sekundärer Hypertonie.

Die primäre Form wird oft auch als essenziell bezeichnet. Trotz aufwendiger und umfangreicher medizinischer Untersuchungen lässt sich bei diesen Patienten keine klare Ursache für die Entstehung des Bluthochdrucks als Krankheitsbild festmachen. Weit über neunzig Prozent der Patienten leiden an dieser essenziellen Form der Hypertonie.

Es lässt sich also in all diesen Fällen kein genaues organisch-pathologisches Substrat als Erklärung heranziehen. Nicht so bei der sekundären Form, hier können vor allem Nierenfunktionsstörungen oder Fehlfunktionen der Hormonregulation, in seltenen Fällen auch Tumoren der Hirnanhangsdrüse oder der Niere tatsächlich als auslösender Faktor für das Auftreten der Hypertonie verantwortlich gemacht werden.

In diesen seltenen Fällen kann ein hoher Blutdruck also durchaus auch ursachenbezogen, kausal, therapiert werden. Bei der essenziellen Form des Bluthochdrucks ist dagegen aufgrund der fehlenden Ursache nur eine symptomatische Behandlung, beispielsweise mit verschiedenen Blutdruckmedikamenten, möglich.

Entgegen landläufiger Meinung wird der Bluthochdruck durch die Einnahme von blutdrucksenkenden Medikamenten jedoch nicht geheilt. Es gibt ganz unterschiedliche Arten von Blutdrucksenkern, die in unterschiedliche physiologische Mechanismen im Organismus eingreifen und daher den Blutdruck künstlich senken.

Sobald diese Medikamente abgesetzt werden oder die Einnahme vergessen wird, steigen die Werte in der Regel sehr schnell wieder an. Eine Ausheilung der essenziellen arteriellen Hypertonie ist deshalb auch heute noch nicht möglich. Durch den Einsatz von blutdrucksenkenden Medikamenten können jedoch die gravierenden Folgeerscheinungen des zu hohen Blutdrucks gemindert werden.

Wird ein hoher Blutdruck nicht ausreichend behandelt, so sind Folgeschäden überall im Gefäßsystem unvermeidbar. Durch den permanent zu hohen Druck werden die Gefäße irreparabel geschädigt und es entstehen Ablagerungen an den Gefäßwänden, die wiederum Grundlage für die Entstehung von Verschlusskrankheiten wie Thrombosen oder Herzinfarkt sind.

Hypotonie gilt als längst nicht so gefährlich wie Hypertonie

Wesentlich seltener ist ein zu niedriger Blutdruck, auch als Hypotonie bezeichnet. Besonders jüngere Frauen sind von diesem Krankheitsbild betroffen, das auch mit Ohnmachtanfällen verbunden sein kann.

Die Prognose der Hypotonie ist allerdings im Gegensatz zum hohen Blutdruck recht günstig. Ein zu niedriger Blutdruck kann ebenfalls anlagebedingt und familiär auftreten, der Krankheitswert ist im Vergleich zu hohem Blutdruck jedoch als eher gering anzusehen.

Ähnlich wie bei der essenziellen arteriellen Hypertonie, so sind auch die Ursachen dauerhaft zu niedriger Blutdruckwerte unbekannt. Kreislaufstabilisierende Tropfen, sportliche Betätigung sowie der Genuss von koffeinhaltigen Getränken können bei der Therapie eines zu niedrigen Blutdrucks hilfreich sein.

Die Blutdruckreferenzwerte der Weltgesundheitsorganisation

Um den menschlichen Blutdruck einschätzen zu können, wurden von der Weltgesundheitsorganisation, WHO, bereits vor längerer Zeit Referenzwerte verbindlich festgelegt. Diese Werte beziehen sich auf einen optimalen, einen normalen, einen hochnormalen und einen krankhaften Messbereich.

Als optimal gelten Messwerte in einem Bereich von kleiner 120 systolisch und 80 diastolisch. Ein normaler Blutdruck weist Werte im Bereich von kleiner 130 systolisch und kleiner 85 diastolisch auf. Als hochnormal gelten Blutdruckwerte von 130 bis 139 systolisch und 85 bis 89 diastolisch.

Jeder gemessene Wert von größer 140 systolisch und größer 90 diastolisch muss laut der Definition der WHO als krankhaft angesehen werden. Hierbei wird die Hypertonie in drei verschiedene Schweregrade eingeteilt.

Grad eins steht für leichte Hypertonie, Grad zwei für mittelschwere und Grad drei für schwere Hypertonie. Werte von über 180 systolisch und 110 diastolisch werden auch als hypertensive Krise bezeichnet und stellen einen schweren internistischen Notfall dar mit der Indikation zur sofortigen Einweisung in ein Krankenhaus.

Solch hohe Werte, die über einen längeren Zeitraum anhalten, verursachen schwere irreversible Organschäden, besonders an den Nieren, am Augenhintergrund, an den Herzkranzgefäßen, aber auch am Gehirn, das auf Blutdruckschwankungen besonders empfindlich reagiert.

Nach entsprechender Einweisung können auch Laien den Blutdruck selbst messen und dokumentieren. Eine fortlaufende Dokumentation der Werte ist für den behandelnden Arzt besonders wichtig, um den Blutdruck auch unter Alltagsbedingungen richtig einschätzen und diagnostizieren zu können.

Hier noch einmal kurz und übersichtlich in unserer Blutdrucktabelle:

Blutdrucktabelle
systolisch (mmHG)diastolisch (mmHG)
zu niedrig< 105< 60
optimal105-12060-80
normal120-13080-85
hochnormal130-13985-89
Hypertonie Grad 1140–15990-99
Hypertonie Grad 2160–179100–109
Hypertonie Grad 3≥180≥110

 

Die Differenzialdiagnose ist bei der Hypertonie besonders wichtig

Viele der in den Arztpraxen ermittelten zu hohen Blutdruckwerte liegt in Wirklichkeit gar kein manifester Bluthochdruck zugrunde. Es handelt sich vielmehr um ein Phänomen, das auch als Weißkittel- oder Sprechstundenhypertonie bezeichnet wird.

Wegen der angespannten emotionalen Situation in einer Arztpraxis steigt bei psycholabilen Patienten ausgerechnet in der Arztpraxis der Blutdruck exorbitant an. Oftmals werden dann auch voreilig blutdrucksenkende Medikamente verordnet, obwohl dies im Einzelfall vielleicht gar nicht nötig wäre.

Als weitergehende Diagnostik zur Sicherung der Diagnose Bluthochdruck empfehlen sich eine 24-Stunden-Blutdruckmessung sowie intervallmäßige Messungen im Rahmen einer körperlichen Belastung, beispielsweise mit einem Ergometer.

Es ist völlig normal, dass der Blutdruck unter körperlicher Belastung ansteigt, er sollte aber nach einer Refraktärzeit von nur wenigen Minuten wieder auf konstant normale Werte zurückfallen.

Durch die Instrumente der Langzeitblutdruckmessung sowie der Blutdruckmessung unter einer definierten körperlichen Belastung ist eine Differenzialdiagnose und genaue Zuordnung des Krankheitsgeschehens für den Arzt möglich. Aus unterschiedlichsten Studien konnte definitiv abgeleitet werden, dass der Blutdruck mit zunehmendem Alter ansteigt.

Dies hängt zum einen mit der nachlassenden Herzkraft aber auch mit dem zunehmenden Verlust der Elastizität im Gefäßsystem zusammen.

Ein leicht erhöhter Blutdruckwert ist bei älteren Menschen deshalb als weit weniger dramatisch anzusehen als bei Kindern, Jugendlichen oder jungen Erwachsenen.

Neue Hoffnung für Blutdruckpatienten durch Nervenverödung an den Nierenarterien

Trotzdem gelten auch für Menschen in höherem Alter die gleichen Referenzwerte wie für alle anderen Erwachsenen. Die Referenzwerte wurden in den vergangenen Jahrzehnten von der Weltgesundheitsorganisation immer wieder um wenige Millimeter Quecksilbersäule nach unten korrigiert.

Eine weitere Korrektur nach unten ist jedoch in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. Die ausgefeilte Technologie in den Blutdruckmessgeräten misst die Druckverhältnisse im Gefäßsystem entweder pulsoszillometrisch oder anhand der sogenannten Korotkoffgeräusche.

Ein viel versprechendes invasive therapeutisches Verfahren zur Therapie der essenziellen Hypertonie ist die sogenannte Katheterablation an der Nierenarterie.

Für diesen ambulanten Eingriff kommen insbesondere Patienten infrage, die trotz Mehrfachmedikation mit drei oder mehr Antihypertensiva ihren Blutdruck nicht ausreichend senken können. Bereits mehrere spezialisierte medizinische Zentren für Hypertensiologie bieten diesen Eingriff an.

Dabei wird unter örtlicher Betäubung und Röntgenkontrolle ein Katheter bis in das Innere der Nierenarterien vorgeschoben. An einer bestimmten Stelle wird an der Innenhaut der Nierenarterie ein Nervengeflecht durch die kurzzeitige Einwirkung von Hitze verödet.

Man hofft so, besonders den Patienten mit bisher therapieresistentem Bluthochdruck besser helfen zu können. Langzeitergebnisse und Untersuchungen zur Effektivität dieses Verfahrens stehen jedoch noch aus, erste Ergebnisse und Rückmeldungen der Patienten sind jedoch vielversprechend. Blutdrucksenkende Medikamente haben oft viele Nebenwirkungen, die die Lebensqualität der Patienten entsprechend einschränken.

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