Schilddrüsenüberfunktion

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Schilddrüsenüberfunktion, UntersuchungDie Schilddrüse in unserem Körper ist für die Produktion und die Speicherung der Schilddrüsenhormone verantwortlich. Dafür benötigt der Körper Jod, welches insbesondere über die Ernährung aufgenommen wird und in der Schilddrüse gespeichert werden kann. Da die Schilddrüsenhormone sowohl die physische als auch psychische Leistungsfähigkeit beeinflussen, kann einer Überfunktion der Schilddrüse zu den unterschiedlichsten Krankheitssymptomen führen.

 

Woran die Überfunktion liegt

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion, die auch Hyperthyreose genannt wird, produziert die Schilddrüse mehr Hormone, als vom Organismus gebraucht werden. Daher kommt es zu einer Überversorgung mit Schilddrüsenhormonen, die die Stoffwechselprozesse ankurbeln.

So kann die Schilddrüsenüberfunktion Anzeichen für die verschiedensten Erkrankungen sein, wobei der häufigste Grund in der Erkrankung Morbus Basedow oder einer Schilddrüsenautonomie liegt.

Wie sich die Schilddrüsenüberfunktion bemerkbar macht

Betroffene können bei einer Schilddrüsenüberfunktion Symptome der unterschiedlichsten Art bemerken. Nahezu 80 % entwickeln einen Kropf. Weitere häufige Symptome sind eine Schlaflosigkeit, ein Zittern, Nervosität, eine veränderte Herztätigkeit und eine Gewichtsreduzierung. Sollte sich die Schilddrüsenunterfunktion in der Autoimmunerkrankung Morbus Basedow begründen, gehören das Hervortreten der Augäpfel und Herzrasen zu den typischen Anzeichen.

Aufgrund der vielfältigen Funktion der Schilddrüsenhormone zeigen sich manchmal bei einer Schilddrüsenüberfunktion Symptome, die die Haut, die Stimme und die Haare betreffen. Dazu gehören brüchige Nägel, Ödeme der Augenlider, strohiges Haar, eine raue Stimme, Haarausfall und eine juckende, schuppende Haut.

Ferner beobachten einige Betroffene ein verstärktes Schwitzen, eine erhöhte Körpertemperatur, niedrige Blutfettwerte, ein großes Hungergefühl und eine Gewichtsreduktion, obgleich das Essverhalten normal ist oder sogar besonders viel gegessen wird. Des Weiteren kann ein Muskelzittern auftreten, ein Abbau der Muskeln sowie eine Muskelschwäche, die mit einer spürbaren Kraftlosigkeit einhergeht.

Selbst das Herz und der Kreislauf können von einer Schilddrüsenüberfunktion betroffen sein, sodass der Betroffene ein Herzrasen, einen schnelleren Puls, einen erhöhten Blutdruck oder Herzrhythmusstörungen bemerkt. Bauchschmerzen, Heißhunger und Durchfall sind weitere Anzeichen. Ebenso können die Psyche und das Nervensystem beeinträchtigt werden, was sich an einer inneren Unruhe, emotionalen Labilität, Gereiztheit und Schlaflosigkeit zeigen kann.

 

Wie die Überfunktion diagnostiziert werden kann

Die gesicherte Diagnose einer Schilddrüsenüberfunktion erfolgt durch den Arzt. Dieser fragt zuerst die Krankheitsgeschichte ab. Dabei wird vor allem hinterfragt, ob und welche jodhaltigen Arzneimittel eingenommen worden sind. Ferner muss geklärt werden, ob eine Untersuchung mit Röntgenkontrastmittel erfolgte, welches Jod enthalten hat. Es ist möglich, dass sich darin die Überfunktion begründet. Auch die Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion werden im Rahmen der klinischen Untersuchung erörtert. Des Weiteren werden die Blutwerte bestimmt, in denen die Höhe der Schilddrüsenhormone T3 und T4 sichtbar werden. Wird vermutet, dass der Patient unter Morbus Basedow leidet, können im Blut Autoantikörper entdeckt werden.

Auch bildgebende Verfahren kommen bei der Diagnose zum Einsatz. Dazu gehört zum einen der Ultraschall und zum anderen die Szintigrafie. Der Ultraschall ist bei der Diagnose unverzichtbar, da nur so Aussagen zu Auffälligkeiten hinsichtlich der Struktur des Gewebes getroffen und zur Größe des Organs getroffen werden können. Bei einer bestehenden Überfunktion sind schwarze Flecken zu erkennen, die die echoarmen Schilddrüsenareale darstellen. Ferner ist die Durchblutung in dem Organ erhöht, was ebenfalls ersichtlich wird. Mithilfe der Szintigrafie, bei der es sich um eine radiologische Untersuchung handelt, können die aktiven, hormonherstellenden Zellen der Schilddrüse sichtbar gemacht werden.

 

Wie die Schilddrüsenüberfunktion verläuft

Wie die Schilddrüsenüberfunktion verläuft, steht in Abhängigkeit von der Ursache der Funktionsstörung. Begründet sie sich in der Erkrankung Morbus Basedow, welches der häufigste Grund ist, bildet sich die Störung in der Hälfte aller Fälle von allein zurück. Gelegentlich kommt es allerdings zu Rückfällen, die noch viele Jahre später auftreten können. Begründet sich die Überfunktion in einer Schilddrüsenautonomie, ist die Prognose ungünstiger. Die Überfunktion bildet sich in diesem Fall nie zurück. Des Weiteren kann das Volumen an Gewebe in der Schilddrüse mit den Jahren stark zunehmen, wodurch die Überfunktion lebensbedrohlich werden kann.

 

Schwerwiegende Komplikationen einer Überfunktion

Wenn eine Schilddrüsenfunktion über einen längeren Zeitraum besteht, kann es unter Umständen zu schwerwiegenden Komplikationen kommen. Dazu gehören die Bildung eines Kropfes, bösartige Knoten, eine lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung, Herzrhythmusstörungen und eine Unfruchtbarkeit.

Ein Kropf infolge einer Schilddrüsenfunktionsstörung kann zu physischen Beeinträchtigungen führen, wenn dieser nicht behandelt wird. So kann er sich beispielsweise zu einem bösartigen Tumor weiterentwickeln. In der Schilddrüse können zudem heiße und kalte Knoten entstehen, die medizinisch untersucht werden sollten. Es kann nämlich sein, dass es sich um einen bösartigen Tumor handelt. Zu den typischen Risikofaktoren für einen Tumor zähle eine vorausgegangene Bestrahlung zur Behandlung von Krebs, ein jugendliches Alter, eine familiäre Belastung sowie weitere Knoten. Des Weiteren scheinen mehr Männer dazu zu neigen als Frauen.

Besonders schwerwiegend ist eine thyreotoxische Krise aufgrund einer Überfunktion. Bei dieser lebensbedrohlichen Stoffwechselentgleisung muss dringend ein Arzt aufgesucht werden. Sie kann auftreten, wenn bei einer bestehenden Überfunktion der Schilddrüse zu viel Jod konsumiert wird. Wie stark sie sich bemerkbar macht, hängt von dem Stadium ab. Dieses reicht von einem Herzrasen und einen sehr hohem Fieber über Bewusstseinsstörungen bis hin zu einem Koma. Die Einlieferung in eine Intensivstation kann dann notwendig sein.

Nicht zu unterschätzen sind ferner Herzrhythmusstörungen, die durch eine Überfunktion ausgelöst werden. Das Herz kann zu rasen beginnen oder es wird ein Vorhofflimmern ausgelöst. Diese mögliche Komplikation begründet sich in der ansteigenden Sensibilität des Herzens für anregende Stoffe wegen der erhöhten Menge an Schilddrüsenhormone.

Nicht lebensbedrohlich aber ebenfalls gravierend kann eine Unfruchtbarkeit durch eine Überfunktion sein. Warum diese auftreten kann, konnte bis heute nicht abschließend geklärt werden. Eine Erklärung besagt, dass durch die verstärkte Ausschüttung von Hormonen der Zyklus und die Reifung der Eizellen beeinflusst werden.

 

Medikamentöse Therapie

Für eine Schilddrüsenüberfunktion Behandlung gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Welche Option gewählt wird oder ob mehrere Behandlungswege miteinander kombiniert werden, steht in Abhängigkeit von der Art der Schilddrüsenüberfunktion. Prinzipiell werden die Therapiemöglichkeiten in eine medikamentöse und operative Behandlung sowie in eine Radiojodtherapie unterschieden. Sie sollen die Überproduktion von Schilddrüsenhormonen hemmen und mögliche Symptome lindern.

Wird die Erkrankung durch Morbus Basedow verursacht, werden vor allem Thyreostatika eingesetzt. Diese Medikamente müssen meist über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, da es innerhalb der ersten Monate zu Rückfällen kommen kann. Begründet sich die Überfunktion in einer Schilddrüsenautonomie, können Thyreostatika nicht verwendet werden. Sie hemmen zwar die Hormonproduktion, jedoch heilen sie nicht die Autonomie, sodass nach dem Absetzen der Medikamente, erneut zu viele Schilddrüsenhormone produziert werden.

Da Thyreostatika allerdings nicht frei von Nebenwirkungen sind, sollten sie nicht dauerhaft eingenommen werden. Aus diesem Grund bietet sich als Therapie eine Operation oder eine Radiojodtherapie an. Wenn die Sensibilität des Organismus gegenüber den Stresshormonen wegen der Überfunktion erhöht ist, können weitere Medikamente zur Therapie genommen werden. Dabei kann es sich beispielsweise um Beta-Blocker mit dem Wirkstoff Propranolol handeln.

 

Notwendigkeit eines operativen Eingriffes

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die Operation. Dabei wird genau so viel von dem Schilddrüsengewebe entfernt, dass der verbleibende Teil nicht mehr eine Überproduktion realisieren kann. Sollte die Schilddrüse vergrößert sein, entfernt der Chirurg sie nahezu vollständig. Wenn nach dem Eingriff nicht mehr hinreichend Schilddrüsengewebe vorhanden ist, um den Organismus hinreichend mit Hormonen zu versorgen, kann eine Schilddrüsenunterfunktion drohen. Mit einer Hormonersatztherapie kann sie allerdings leicht therapiert werden.

Bei den meisten Operationen dieser Art entstehen keine bleibenden Konsequenzen. Nur bei bis zu 3 % aller Patienten treten dauerhafte, schwere Komplikationen auf. Diese können sich beispielsweise durch eine Verletzung des Stimmbandnervs entwickeln, was eine häufige Heiserkeit sowie eine schwache Stimme verursacht. Sollte der Chirurg aus Versehen auch die Nebenschilddrüsen entfernen, kann ein Kalziummangel im Blut entstehen, der mit Muskelkrämpfen einhergeht. Selbstverständlich bestehen zudem die gängigen Risiken einer Operation. Grundsätzlich sollte daher mit dem behandelnden Arzt genau überlegt werden, ob eine Operation erforderlich ist.

 

Die Radiojodtherapie als Behandlungsoption

Wenn ein operativer Eingriff sinnvoll ist, aber zu riskant wäre oder abgelehnt wird, kann die Radiojodtherapie eine Behandlungsoption sein. Dabei handelt es sich um eine Strahlenbehandlung der Schilddrüse, für die radioaktives Jodisotop eingesetzt wird. Dieses wirkt auf das Schilddrüsengewebe und reduziert so die Überfunktion. Diese Therapieform bedeutet für die anderen Organe nur eine geringe Belastung. Unter bestimmten Umständen kann jedoch eine Radiojodtherapie nicht empfehlenswert sein. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn neben der Schilddrüsenüberfunktion Schwangerschaft besteht oder sich die Betroffene in der Stillzeit befindet.

 

Dir richtige Ernährung

Stets ist bei einer Schilddrüsenüberfunktion Ernährung ein wichtiger Faktor. Durch eine dauerhaft zu geringe Versorgung mit Jod kann sich die Schilddrüse vergrößern und so Zonen ausbilden, die fortan unkontrolliert viele Hormone herstellen. Daher sollte stets hinreichend Jod konsumiert werden. Jedes ist auch ein zu hoher Konsum an Jod zu vermeiden. Wenn bereits eine latente Überfunktion der Schilddrüse besteht und auf einmal zu viel Jod aufgenommen wird, kann sich eine symptomatische Schilddrüsenüberfunktion entwickeln.

Die deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt daher Richtwerte für die richtige Jodaufnahme pro Tag. Ab einem Alter von 13 Jahren sollte die tägliche Aufnahme von Jod 200 Mikrogramm betragen. Ab dem 51. Lebensjahr sind nur noch 180 Mikrogramm erforderlich. Schwangere und Stillende haben einen erhöhten Bedarf, der bei 230 Mikrogramm bzw. bei 260 Mikrogramm liegt.

Zu den jodreichen Lebensmitteln gehören vor allem jegliche Seefische sowie Muscheln und Garnelen. Seelachs beispielsweise enthält je 100 Gramm 200 Mikrogramm Jod. Noch höher ist der Jodgehalt bei Miesmuscheln, getrockneten Algen und Meeräsche. Ein Liter Milch oder Mineralwasser weist ebenfalls 200 Mikrogramm Jod auf. Bei Mineralwasser ist allerdings auf die richtige Marke zu achten. Wer bereits eine latente Schilddrüsenüberfunktion hat, sollte täglich nicht mehr als 500 Mikrogramm Jod zu sich nehmen.

 

Grenzen und Möglichkeiten der Vorbeugung

Du kannst einer Schilddrüsenüberfunktion nur begrenzt vorbeugen, da der Funktionsstörung häufig eine Erkrankung zugrunde liegt. Deren Entstehung wiederum kann nicht beeinflusst werden.

Da eine Überfunktion jedoch auch andere, sogenannte äußere Ursachen haben kann, kann sie unter Umständen vermieden werden. Sie kann sich in einer Überdosierung von jodhaltigen Substanzen oder Schilddrüsenhormonen begründen, weshalb stets nur die vorgeschriebene Dosis eingenommen werden sollte. Generell sollte vor einer Operation und vor der Verschreibung von jodhaltigen Substanzen die Schilddrüsenfunktion überprüft werden.

Kommentare (1)
  1. Thomas 8. Oktober 2013

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